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Filmnews aus Europa 1900-1960

2009-Oct-8 - "Inferno" - Das neue Filmwerk Paul Czinners

Der Wiener Schriftsteller und Regisseur des Deutschen Volkstheaters Herr Paul Czinner, hat einen neuen Film verfaßt, der den Titel „Inferno" trägt und den Kampf der zwei Prinzipien, des Guten und Bösen, darstellt. Die Hauptrollen bekleiden Grete Lundt und Erik Schmedes. Diese drei Namen bürgen für die Güte des Werkes. Der Autor ist auch Regisseur in eigener Person, da er der Ansicht ist, daß die beste Ausdrucksmöglichkeit und der idealste Stil für den Film der Expressionismus sei. Dieser Film eröffnet eine Serie, die Herr Czinner in Aussicht genommen und zu der ihm Erik Schmedes und Grete Lundt ihre künstlerische Mitarbeit zugesichert haben.
Es bedeutet allerdings eine ungeheure Errungenschaft für den Film als Kulturfaktor, daß sich endlich Persönlichkeiten mit wahrhaft selbständigem künstlerischen Wollen diesem leider noch zu wenig gewürdigten Bildungs- und Erziehungsmittel zuwenden und durch den Film zu großen Menschengruppen von Dingen reden, die uns alle bewegen und nach deren Lösung wir seit undenklichen Zeiten ringen.
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2009-Sep-30 - "Nichts als Zufälle"

Durch die Himmelpfortgasse läuft ein Mann, einer mit langen Armen und langen Beinen, Mantel offen, Hut im Nacken. Er hat es sehr eilig. Wenn es jemand in Wien eilig hat, fällt er unbedingt auf. Dieser Mann würde aber auch so auffallen, denn es ist — nun, es ist Josef Meinrad, der soeben hinter dem Bühnentürl des Ronacher verschwindet. Einige Minuten später betrete ich seine Garderobe. "Wenn Sie mir sagen, daß Sie nicht in Göttingen waren, Herr Meinrad, brauche ich Sie nicht zu stören..." "Sie müssen mich aber stören; ich war nämlich wirklich in Göttingen", erwidert Meinrad lachend und legt sein Rollenbuch aus der Hand.
"Wie lange waren Sie eigentlich in Deutschland?" "Dreiundzwanzig Tage, die Fahrt nicht mit eingerechnet... Und von den dreiundzwanzig Tagen stand ich zweiundzwanzig im Atelier. Sogar am Sonntag wurde gedreht... Außenaufnahmen ..."
"Da hatten Sie wohl nicht einmal Zeit, sich die Stadt und die Gegend anzusehen?"
"Zeit hatte ich wirklich wenig. Aber ich konnte immerhin feststellen, daß Göttingen eine nette Stadt ist, sehr sauber, sehr gemütlich und — was das wichtigste ist — vom Krieg ganz verschont geblieben. Früher lebten dort etwa 30,000 Menschen, heute hat die Stadt doppelt so viele Einwohner. Es herrscht sehr viel Betrieb — eine richtige Filmstadt..." "Liebeneiner hat doch dort neue Ateliers errichtet?" "Es sind keine Neubauten, sondern die Film-Aufbau-AG. hat die in einem Vorort Göttingens gelegenen Flugzeughallen umbauen lassen. Es sind drei Ateliers, großartig eingerichtet, vor allem die Garderoben sind einzigartig. Auf der anderen Seite des Flugplatzes wurde ein eigenes Gästehaus gebaut. Unterbringung und Verpflegung waren vorbildlich." Der Film, in dem Josef Meinrad spielte, heißt "Nichts als Zufälle!" und ist eine Gemeinschaftsproduktion der Styria-Berolina.
"Es war ein wunderbares Arbeiten in Göttingen", fährt Meinrad fort. "Man kann sagen; eine fast heimatliche Atmosphäre. Regisseur E. W. Emo leitete ja die Dreharbeiten, außerdem war ich unter den Schauspielern nicht der einzige Wiener, da auch Susi Nicoletti mit hinausfuhr. Sie hat noch einige Drehtage und kommt deshalb etwas später als ich nach Wien zurück. Die Arbeit wurde in einem erstaunlichen Tempo abgewickelt. 'Nichts als Zufälle!' ist ein ausgesprochener Groteskfilm, und der schnelle Wechsel der Ereignisse fand auch bei der Dreharbeit seinen Ausdruck."
Außer Josef Meinrad und Susi Nicoletti spielen Theo Lingen, Grethe Weiser, Fritz Kampers, Sonja Ziemann, Albert Florath, Erika Thellmann, Hans Richter — und schließlich gibt es ein 'come back' Else Elsters. Das Buch stammt von Farkas und Emo, die Musik schrieb Franz Grothe. "Sieht man in Göttingen österreichische Filme?" "Man sah unter anderem den 'Prozeß' und war von den künstlerischen Leistungen stark beeindruckt." "Was spricht man sonst über Wien?"
"Sonja Ziemann möchte sehr gern wieder einmal nach Wien kommen, und der alte Papa Tiedtke hat sich eifrig nach dem Burgtheater erkundigt, an dem er ja vor vielen Jahren lange Zeit tätig war..." — "Nur noch eine Frage, Herr Meinrad; was für eine Rolle spielen Sie in den 'Zufällen'?" — "Ich bin der Willy. Der Freund des Theo Lingen, der wiederum einen von Pech verfolgten Ehemann spielt. Eigentlich ist er ja noch gar kein Ehemann, er will erst einer werden, aber der Hochzeit stellen sich andauernd Hindernisse entgegen. Seine Frau — das wird sie ja eigentlich erst am Schluß — ist Susi Nicoletti, und ich komme schließlich mit Sonja Ziemann zusammen. Das ganze spielt sich in einem Zeitraum von eineinhalb Tagen ab. Es ist ein ausgesprochener Groteskfilm, und wenn das Publikum nur halb so viel lacht, wie wir bei den Aufnahmen gelacht haben, können wir, glaube ich, zufrieden sein..." — In wenigen Tagen wird Josef Meinrad wieder auf der Bühne des Burgtheaters stehen; Als "Weibel von Neapel" in "Der seidene Schuh" von Claudel. Die turbulente Arbeit in Göttingen ist vergessen. — Der Film "Nichts als Zufälle" wird in Osterreich vom Verleih der Apollo-Film herausgebracht werden.
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2009-Sep-27 - Alles schon einmal dagewesen

Posted in Hollywood
Der Mangel an neuen Filmstoffen zwang die amerikanische Filmindustrie zu zahlreichen Neu-Verfilmungen. In der jetzt bekanntgewordenen Liste von ca. 27 in Arbeit oder in Vorbereitung befindlichen Stoffen sind alle mindestens schon einmal Verfilmt worden. Unter diesen sind dem europäischen Publikum die folgenden bekannt:
"Quo vadis", der Film nach der Novelle von Henry Sienkiewicz, wurde zuerst 1912 verfilmt, dann durch F.B. Warner im Jahre 1921, später durch die First National mit Emil Jannings im Jahre 1925 und wird jetzt durch die Metro Goldwyn Mayer in Italien zum viertenmal hergestellt.
"Drei Musketiere", Duma's Werk, erlebte seine erste Verfilmung mit Douglas Fairbanks 1921. Im selben Jahre drehte Thomas Ince denselben Stoff mit Orrin Johnson. Die dritte Auflage entstand 1935 durch RKO mit Walter Abel und Paul Lucas. 1939 kam die vierte Fassung "Drei Musketiere" als Komödie mit Don Ameche und den Ritz Brothers heraus. Die fünfte Verfilmung erschien jetzt durch die Metro Goldwyn Mayer.
"Trilby" war zuerst 1913 zu sehen, dann 1923, weiterhin 1931 mit John Barrymore unter dem Titel "Svengali". Auch in Deutschland wurde dieser Stoff verfilmt. Die Rolle im deutschen Stummfilm spielte Paul Wegener. Die neueste Verfilmung, nicht mit dem Titel "Svengali", sondern "Trilby" stellte Jesse Lasky mit Alida Valli und Louis Jourdan her.
"Oliver Twist", zuerst von der Paramount 1916 verfilmt, dann mit Jackie Coogan von der First National 1922. Fox stellte 1921 eine Version her, die Monogram Productions mit Dickie Moore 1933. Die fünfte Verfilmung führte Ränk in England 1948 durch.
"Samson und Delilah" erlebte seine erste Verfilmung in Hollywood 1924. Die zweite bereitet Cecil B. de Mille zur Zeit mit Victor Mature und Hedy Lamarr vor.
"The Scarlet Pimpernel", zuerst von der Fox 1917, dann von Korda mit Leslie Howard 1935 verfilmt, erlebt jetzt seine dritte Auferstehung mit David Niven in der Hauptrolle. "M", der berühmte Fritz-Lang-Film mit Peter Lorre, 1931 in Deutschland hergestellt, wird von Seymour Nebenzal für United-Artists neu produziert.
"Little Women", zuerst 1919 erschienen, dann 1933 von der RKO mit Katherine Hepburn verfilmt, wird jetzt von der MGM mit June Allyson neu herausgebracht.
"Hamlet" wurde das erstemal 1921 mit Asta Nielsen als Hamlet verfilmt. Die zweite Version erfolgte erst nach mehr als einem Viertel Jahrhundert durch J. A. Rank 1947, mit Sir Laurence Olivier.
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2009-Sep-24 - Ein Regisseur seift seinen Darsteller ein

Posted in Europa
"Die Schönheit der österreichischen Landschaft ist ein gewaltiges und zum Teil noch ungenütztes Kapital", sagte Regisseur Hans Wolfff als wir mit ihm während der Aufnahmen zu dem neuen   Excelsior-Film "Ein bezaubernder Schwindler" einige Worte sprachen. Wir standen in der Dekoration "Atelierwohnung über den Dächern von Salzburg". Durch die hohen Glastüren, die auf eine   kleine   blumengeschmückte   Dachterrasse führen, fällt der Blick auf die Festung Hohensalzburg und die zauberhaft bewegte Silhouette der dichtgedrängten Türme, Kuppeln und Dächer der Mozartstadt. Schönes Salzburg!  Schönes Salzkammer gut! Denn nicht nur auf den Plätzen der Festspielstadt, auch an den Ufern des Attersees werden Außenaufnahmen gedreht werden, die den Reiz einer der landschaftlich schönsten Gegenden unserer Heimat zum Mitspieler, wenn nicht zur Hauptperson zahlreicher Passagen machen werden. So ist Hans Wolff also aus dem Wachauerlandl, wo bekanntlich ein anmutiges Mariandi die Herzen fest am Bandl hält, in eine Gegend übersiedelt, die nicht minder verdient, auf die Leinwand gebannt zu werden.
"Der landschaftliche Reiz Österreichs verfehlt seine Wirkung nie", erzählt uns der Regisseur. "Er war es auch, der in letzter Zeit schon einigen österreichischen Filmen, die ihn geschickt eingefangen haben, zu unerwartet großem Erfolg im Ausland verhalf. Daß unsere Filme dieses Echo auch außerhalb unseres Landes brauchen, muß ich wohl nicht erst betonen."
So haben also die Hersteller des Films die Absicht, nicht nur ihren Helden vier Mädchen auf einmal bezaubern zu lassen, sondern auch das Publikum auf die verschiedenste Weise zu bezaubern. — überdies wurde da später  eine kleine entzückende Szene gedreht: jene, da der bezaubernde Schwindel des jungen Komponisten Martin Palmer (Wolf Albach-Retty) endlich auffliegt, allerdings ohne dem Urheber zu schaden. Im Gegenteil: ist es ihm doch gelungen, mit seinem Komödienspiel die drei Freundinnen Christels (Waltraut Haas) davon zu überzeugen, daß er ihr zuliebe vor keiner Anstrengung und keinem "Opfer" zurückschreckt. Die temperamentvolle Marion kann sich bei dieser Entdeckung nicht zurückhalten: "So ein Schwindler", zürnt sie lachend. Da erwacht in Christel die Verteidigungskraft der liebenden Frau, die den Mann ihres Herzens bedroht sieht. Sie legt die Arme fest um ihn und wirft den Kopf zurück. "Aber ein bezaubernder!" ruft sie triumphierend. Was dann kommt? Natürlich die Belohnung: ein Kuß, ein langer Kuß sogar . . . Diese Einstellung ist die letzte   des   Films.   Kurz   darauf   kam   eine   Szene   daran,   die zeitlich   viel   früher  einzuteilen   ist.   Das  Uberraschende daran war zunächst, daß Hans Wolff diesmal geschminkt im Atelier erschien.   Seit wann ist denn das bei einem Regisseur üblich, fragt man überrascht. Doch da löst Regieassistent Hermann Leitner auch schon das Rätsel und erzählt, daß Hans Wolff in der kommenden Szene selbst eine kleine Rolle als Friseur spielen werde, ähnlich wie er auch schon in seinen beiden letzten Filmen "Hofrat Geiger" und "Kuckucksei" für kurze Zeit vor der Kamera erschien.  Eine Marotte? Aberglauben? . . . Jedenfalls war Hans Wolff während der 15 Jahre, die er bei Willi Forst arbeitete, also seit "Mazurka" und "Maskerade" in jedem Forst-Film für einige Augenblicke zu sehen. Wenn die "Weana Madeln" eines Tages endlich doch gezeigt werden, wird man ihn in seiner Glanzrolle als Gesangsschüler in einer Szene mit Fritz Imhoff bewundern können. Diesmal seift er Wolf Albach-Retty ein und rückt ihm anschließend mit einem Messer zuleibe. Friseure tun das eben so. Leider konnte ich das Ende der Szene nicht mehr abwarten, aber ich habe gehört, daß Wolf Albach-Retty wohlbehalten das Atelier verließ.  Also  scheint  es  ohne qrößere  Verletzungen abgegangen  zu  sein ...
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